Die jüngeren Völkerwanderungen unserer Geschichte

Mit der Entdeckung Amerikas durch den Seefahrer Christopher Kolumbus im Jahre 1492 setzte bereits hundert Jahre später die Entstehung erster Kolonien ein. Es bagann eine regelrechte Völkerwanderung.

Zunächst ließen sich an der Ostküste Nordamerikas Händler vor allem aus England nieder. Im Laufe der Jahrhunderte zog es sehr viele Menschen aus ganz Europa nach Nordamerika, dem “Land der unbegrenzten Möglichkeiten”. Viele arme Menschen suchten hier ihr Glück. Die indigenen Völker, die sogenannten Indianer, wurden meist getötet, wer überlebte, den sperrte man in den neu geschaffenen sogenannten Reservaten. Diese Menschen wurden ihrer Lebensgrundlagen beraubt, verfielen häufig dem Alkohol oder stecken sich durch die von den Europäern eingeschleppten Krankheiten wie Pocken und Masern an und ihre Zahl schrumpfte massiv. Die weißen Siedler breiteten sich aber über den ganzen nördlichen Kontinent aus, wurden zu Farmern und Handwerkern. Bald stießen sie bis an den Pazifik im heutigen Kalifornien.

Südamerika wurde vor allem von Spaniern und Portugiesen besetzt. Auch hier hatte es erbitterte Kämpfe mit der indigenen Bevölkerung gegeben. Die Europäer haben sich bei ihren Wanderungsbewegungen wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

Wenden wir uns aber nochmals der Geschichte der Einwanderung nach Nordamerika zu. Die enorme Siedlungsbereitschaft löste sodann eine weitere erzwungene Völkerwanderung aus: aus ganz Afrika wurden Menschen als Sklaven und somit billigste Arbeitskräfte nach Nordamerika verschifft. Hier wurden sie als Leibeigene in Haushalten weißer Einwanderer zu schlimmster Arbeit gezwungen. Sie waren es, die den Reichtum von Farmern begründeten, weil sie zum Beispiel als Baumwollpflücker in drückender Hitze arbeiten mussten. Sie hatten keine Rechte und keine Fürsprecher. Erst als im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) die Nordstaaten die Oberhand gewannen, wurde die Sklaverei abgeschafft, die schwarze Bevölkerung erlangte Wahl- und Bürgerrechte. Die Rassentrennung war jedoch in den Südstaaten bis in die 1970er Jahre zu spüren. Viele schwarze Bürgerrechtler, der prominenteste war Martin Luther King, verloren ihr Leben.

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Moderne Völkerwanderung

Heute können wir eine moderne Völkerwanderung beobachten. In den Nachkriegsjahren gab es in Deutschland einen großen Mangel an Arbeitskräften. Die Bundesregierung entwickelte ein Programm, mit dem sie Menschen aus Europa nach Deutschland lockte und ihnen Arbeit versprach. Der Begriff “Gastarbeiter” war geboren. Zunächst kamen viele Italiener und Portugiesen ins Land, nachher wurden es immer mehr Türken. Sehr aktuell ist heute der Begriff der Integration dieser Menschen in Deutschland. Ausserdem haben wir momentan grosse Probleme mit dem Nachwuchs an Fachkräften und die Wirtschaft möchte gebildete Facharbeiter gezielt anwerben. In Betracht kommen Menschen zum Beispiel aus Spanien, Griechenland und Indien, die in ihren Ländern von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Die häufigste Ursache für eine Emmigration ist Hunger und Armut oder politische Verfolgung. Der ärmste Kontinent der Welt ist Afrika, der von Hungersnöten immer wieder heimgesucht wird oder von blutigen Bürgerkriegen. Aus Afrika kommen sehr viele Einwanderer, die es jedoch schwer haben, in die “Festung Europa” zu gelangen. Die kleine italienische Insel Lampedusa hat einen zweifelhaften Ruhm erfahren, denn hier stranden immer wieder Flüchtlinge in maroden Booten. Viele von ihnen überleben die Überfahrt aus Nordafrika nicht. Einmal hier gelandet, werden sie häufig wieder zurückgeschickt in ihre Heimat. Sie zahlen astronomische Summen an Schlepperbanden, die sie aus ihrem Land irgendwo in Zentralafrika bis nach Norden bringen und die Überfahrt wird zur Höhle. Sie sehen jedoch keine Zukunft für sich in ihrer Heimat und riskieren alles, um den gelobten Kontinent Europa zu erreichen. Auch in Spanien stranden sehr viele Flüchtlinge. Manche von ihnen finden Arbeit auf den großen Gemüse- und Obstplantagen zu katastrophalen Bedingungen. Sie sind die modernen Sklaven Europas. In Griechenland dagegen kommen Flüchtlinge aus Asien an, Pakistaner, Inder, Iraker und Iraner. Das arme Land hat grosse Schwierigkeiten, dieses Problem zu bewältigen. Die übrigen europäischen Länder sind nicht gewillt, diese Flüchtlinge aufzunehmen. Also werden sie zunächst kaserniert und nach und nach in ihre Urspungsländer zurückgeschickt.

Der modernen Völkerwanderung aus armen Ländern der dritten Welt in die erste Welt werden Grenzen gesetzt. Die USA hat bereits an der Grenze zu Mexiko einen Zaun errichtet, der streng bewacht wird. Europa hat sich an ihren Aussengrenzen auch zu einer “Festung Europa” entwickelt. Waren es im kalten Krieg noch politische Systeme, die sich voneinander abgrenzen, sind es heute ökonomische Schranken. Besonders in Deutschland sollten die Politiker einen wohlüberlegten Zuzug aus anderen Ländern zulassen, denn die Gesellschaft ist überaltert und es werden nicht genug Kinder geboren, um das soziale System in seiner jetzigen Form aufrechtzuerhalten. Also das Motto sollte heissen “Zuwanderung ja, aber geregelt”.

 

ISA 8-2011